Vorlesungen in Ningbo

Wie sieht der Unterricht in China aus?

Wenn man in die Vorlesungssäle der Universität schaut, öffnet sich eine ganz neue Welt an Unterricht. Hier wäre der Satz: „Handys raus, Klassenarbeit“ wohl ganz beschreibend. Vorne steht ein Dozent und hinten sitzt eine Gruppe von Studenten am Handy. Man kann nicht behaupten, dass es hier nur um den Unterricht geht, schließlich muss man in China seine WeChat Kontakte sehr intensiv pflegen. 

Aber das technische Equipment wird auch für „sinnvolleres“ genutzt. Die Vorlesung aufzeichnen, falls man mal nicht ganz aufmerksam ist, ist hier an der Tagesordnung. Außerdem werden die Handys für Interaktion genutzt, um Bilder zu posten, QR Codes zu scannen oder Spiele zu spielen. Alles natürlich in WeChat (Das einzige soziale Netzwerk, was du hier kriegst und brauchst). Mal ein ganz anderes Format für uns hier drüben.

Unsere Vorlesungen sahen dennoch etwas anders aus. Zu acht saßen wir in einem Vorlesungssaal und haben zahlreiche Informationen über chinesische Geschichte, Kunst, Kultur und Werbung bekommen und weitere Themen werden in dieser Woche noch folgen. Doch das Handy blieb auch bei uns nicht in der Tasche. Werbung kann man hier überall konsumieren. So konnten wir, nachdem wir kurz alle personenbezogenen Daten mit der Firma geteilt haben (wen juckt’s?), Spiele spielen. Diese sind meistens relativ kurz und bieten eine kleine Story zum Unternehmen. Die Ergebnisse werden aufgrund ihrer unglaublichen Relevanz direkt mit den Freunden geteilt und in Gruppe gepostet. Spannende Herangehensweise, die sich in Deutschland wohl vorerst nicht durchsetzen wird. Dennoch eine sehr spannende Plattform, die man auch in Europa nicht aus den Augen lassen sollte.

Was haben wir sonst noch gelernt?

Natürlich haben wir viele kulturelle Unterschiede erfahren, die sich nach einer Einführung in Kultur und Geschichte sehr gut herleiten lassen.

Außerdem haben wir wichtige Informationen über den chinesischen Markt bekommen, falls wir später Brand Manager für die Expansion nach China werden sollten. Was ich nach zwei Wochen nicht ablehnen würde, da sich hier wirklich spannende Möglichkeiten eröffnen. 

Aufgrund von 70 Jahren Kommunismus bis in die 1990er Jahre ist der chinesischen Markt für private Unternehmen noch sehr jung. Der Aufbau von Marken und die Nutzung von Werbung für private Unternehmen steckt also noch in den Kinderschuhen. So geht es im Moment sehr viel um Aufmerksamkeit und Aufbau von Bekanntheit. Um dies zu erreichen und die verschiedenen Konsumenten anzusprechen gibt es einige Motive und Werte, die die chinesische Gesellschaft prägen. Einige davon möchte ich gerne aufführen, um zu zeigen, was dieses riesige Land bewegt.

Das Wichtigste in China ist die Familie. Die Familie steht hier eigentlich über allem. Laut der chinesischen Lehre handelt es sich bei der Familie um die kleinste Einheit einer Gesellschaft. Nur wenn diese läuft, kann die Gesellschaft funktionieren. Deswegen kann men sehr gut mit Verbindungen und erfolgreichen Familien werben. Auf die Familie folgt der Status. Die Aufgabe eines jeden Einwohner ist es, dem chinesischen Staat zu dienen. Jeder hat die Möglichkeit an Macht zu kommen und hohe Offiziere haben einen sehr hohen Status. Deshalb werben Marken auch gerne mit der Nähe zu Offizieren oder zum Palast in Peking. Weitere Werte für den chinesischen Markt sind die Kultur und Geschichte, die starke Urbanisierung und das steigende Gesundheitsbewusstsein, welches gerade sehr an Relevanz gewinnt. 

Dies sollte man beachten, wenn man erfolgreich einen der größte Märkte der Welt für sich gewinnen möchte, in dem selbst Nischenmärkte mehrere Millionen Konsumenten bieten. Klingt gut, oder?