Chinese Food Diary

„In China wird es für dich sicherlich genügend zu essen geben – Reis, Gemüse und Sojasauce gibt es dort doch überall!“ – Diese und viele ähnliche Ermutigungen durfte man sich vor der Reise anhören, wenn man seine Bedenken über die kulinarische Kultur des Landes ansprach. Mit ein klein wenig Angst, aber auch großer Neugier, haben wir uns wohl alle gefragt, was für uns die nächsten Wochen auf dem Speiseplan stand. 

In Ningbo angekommen, stellte sich schnell heraus, dass die meisten westlichen Vorstellungen über chinesische Lebensmittel nicht der Realität entsprachen. Dass es hier kein „Menü: Hähnchen-süßsauer“ gab, war dabei das kleinere Übel – vor allem als Vegetarier und Veganer hat man es hier – ganz gelinde ausgedrückt – sehr schwer. Es ist in den meisten Fällen quasi unmöglich ohne chinesische Sprachkenntnisse eine Mahlzeit zu bestellen, die kein Fleisch enthält. Somit mussten wir uns bisher meist doppelt und dreifach vergewissern, ob auf dem Teller nicht doch irgendeine Art von Tier vorgefunden werden konnte. 

Selbst unsere alteingesessenen Fleischliebhaber mussten aufpassen, dass sie nicht aus Versehen Innereien, Drüsen oder getrocknetes Blut aufgetischt bekommen. Dies sollte jedoch nicht der einzige geschmackliche Kulturschock sein, wie sich später herausstellte.

Auch Frühstücken gestaltet sich hier aufregender als gedacht. Die Chinesen essen hier überwiegend 3x am Tag warm und herzhaft. Höchstens Reiskuchen findet man hier vor – wenn man lange genug danach sucht. 

Unsere Rettung: Hot-Pot! Für Klara und mich bisher wohl eine der besten Entdeckungen. Der Hot-Pot ist mit einer Gemüsesuppe zu vergleichen, schmeckt aber um Längen besser (Sorry Mama!!). Da man sich den Hot Pot selber zusammenstellen kann, ist es für uns natürlich sehr einfach, eine vegetarische bzw. vegan Variante daraus zu machen. Pak Choi, Choi Sum, Lotus, Koriander, Bambussprossen und Reisnudeln sind nur eine der vielen frischen Zutaten für unseren „Pot“. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass wir bereits zu 98% aus Suppenwasser bestehen – die anderen 2% sind Tofu. Doch selbst Tofu ist nicht gleich Tofu – versehentlich haben wir auch hier schon Tofu mit püriertem Fisch in unserer Schüssel vorgefunden (ein großes Danke nochmal an Niklas, ohne den wir diesen wahrscheinlich immer noch gutgläubig gegessen hätten).

Natürlich haben wir auch an traditionellen Food-Ständen Dinge ausprobiert. Hier braucht man sich wirklich keine Gedanken über die Hygiene machen: alles wird frisch zubereitet und kann ohne Bedenken für wenig Geld gekauft werden. Heuschrecken oder Würmer haben wir jedoch keine vorgefunden. 

Ein wenig einfacher gestaltet es sich in Shanghai – die Metropole hat natürlich einiges anzubieten, wenn es um westliches Essen geht. Hier haben wir doch tatsächlich ein Avocado-Brot, Porridge und Hafer-Cappuccino zum Frühstück bekommen. 
Auch wenn wir kein großer Fan von Starbucks sind, haben wir es uns nicht nehmen lassen, den größten Starbucks der Welt zu besuchen: Starbucks Reserve Roastery. Hier gibt es wirklich alles, was das Kaffee-Herz begehrt. Neben verschiedenen Kaffee- und Teebars, live Röstung und unzähligen Souvenirs konnten hier sogar verschiedene Cocktails aus Expresso und Tee getrunken werden – ein perfektes Markenerlebnis also. 

Unser persönliches Highlight war jedoch das Masala Art – ein indisches Restaurant mitten in Shanghai. Dort haben wir auch das erste Mal in 14 Tagen mit Messer und Gabel gegessen.
Die Zeit hier ist – für Klara und mich – eine ganz persönliche Challenge. Es wird einem bewusst, dass die pflanzliche Ernährungsweise noch nicht in allen Teilen der Welt so ausgeprägt ist, wie zum Beispiel in Europa und ein Großteil der Bevölkerung einfach nicht versteht, wieso man kein Tier essen möchte. Das haben wir so akzeptiert und nach wenigen Tagen aufgehört, uns zu erklären. Abschließend können wir festhalten, dass es auf jeden Fall möglich ist, auch mit etwas spezielleren Essgewohnheiten in China etwas zu finden, was einem schmeckt. Natürlich gestalten sich die Mahlzeiten hier etwas eintöniger, als zu Hause. So freut man sich dann sogar, wenn man nach Ewigkeiten das erste trockene Brötchen essen kann. Hat man sich hier jedoch ein wenig durchgefragt, gibt es auch sehr viel Leckeres, was wir in Deutschland definitiv vermissen werden.