Ganbei! Mein Abendessen in einer chinesischen Familie

Nach einer Woche in der wunderschönen Hafenstadt Ningbo, saß die Reisegruppe zusammen im Zimmer als unsere Smartphones fast zeitgleich vibrierten: Jeder hatte eine Nachricht über „WeChat“ erhalten. Der Messenger, ein asiatischer Konkurrent zu WhatsApp, wird hauptsächlich von der jüngeren Generation verwendet und so war es nicht weiter verwunderlich, dass uns chinesische Studenten eine Nachricht geschrieben hatten. Mit dieser Nachricht wurden wir offiziell zu einer chinesischen Familie zum Essen eingeladen. Carlotta, die bereits mehrere Jahre in Shanghai gelebt hat, erklärte uns, dass eine Essenseinladung, in das private Haus, hierzulande die größte Ehre ist, die man erfahren kann. 

Dementsprechend aufgeregt waren wir plötzlich und während die meisten am Donnerstag zu Ihrer Gastfamilie gehen würden, hatten meine Gastgeber nur am Montag Zeit – Ich sollte der erste sein, der das Leben einer chinesischen Familie hautnah miterlebt und meine Erfahrungen teilte ich nicht nur mit meinen Mitreisenden sondern über diesen Beitrag jetzt auch mit euch. 

Zuerst muss festgehalten werden, dass Chinesen sehr feste Essenszeiten pflegen, die in Deutschland vermutlich als „rentnerüblich“ abgetan werden würden. Um Punkt 12 Uhr gab es Mittagessen und das Abendessen folgte exakt 6 Stunden darauf um 18 Uhr. Ich traf mich mit der chinesischen Studentin um 17 Uhr am Ausgangstor des Campus, da das Haus ihrer Familie etwas außerhalb der Innenstadt lag. Die Taxifahrt dauerte ungefähr 30 Minuten und bald stand ich in der Haustür wo ich bereits herzlich von der Familie begrüßt wurde. Als Vorbereitung hatte ich ein paar Floskeln auf Chinesisch gelernt und original Butterkekse von Leibniz gekauft – Irgendwas, was entfernt mit Deutschland zu verbinden war. 

Traditionell wird in China an einem runden Tisch gegessen, damit jeder gleichermaßen am Gespräch teilnehmen kann. Im nachfolgendem Bild könnt Ihr sehen, welche Spezialitäten aufgetischt wurden. Die Studentin erzählte mir, dass die Auswahl an Gerichten einem Essen zu einem Feiertag ähnelt und dementsprechend nahm ich mir vor, alles einmal zu probieren. Da Ningbo nah am Wasser liegt, sind besonders Fischspezialitäten auf dem Teller gelandet. Neben Salzwasserfisch nahmen Shrimps und Krabbe einen Großteil des Tisches ein und verschiedene, teilweise unidentifizierbare Gemüsesorten, sorgten für etwas Abwechslung. Weiterhin gab es Maiskolben, etwas Rindfleisch in einer Art Sojasauce und kleine weiße Teigbällchen, die mich mit einer sehr süßen Mohnfüllung überraschten. In China gibt es keine Vor- und Nachspeise sondern jeder isst das was er möchte, wann er möchte. Zusätzlich stehen alle Speisen in großen Schüsseln auf einer Art „Drehteller“, der dann bequem rotiert werden kann, damit niemand über den Tisch greifen muss.

 

Der Großvater, der rechts von mir saß, zeigte mit immer wieder mit Begeisterung, wie ich bestimmte Dinge zu essen hatte. Zusammen knackten wir Krabben in (vermutlich) Rekordzeit und pulten Shrimps so professionell, dass uns Forrest Gump mit Sicherheit eingestellt hätte. Obwohl die Studentin und Ihre ältere Schwester die einzigen waren, die für mich von Englisch nach Chinesisch übersetzen konnten, war der Abend sehr kommunikationsreich und ich hatte das Gefühl richtig willkommen zu sein. Ich erzählte ein paar Geschichten aus Hamburg und mit großem Interesse hörte die gesamte Familie zu, als ich über das Universitätsleben und die objektiv schönste Stadt Deutschlands redete. 

Nach ein paar kleinen Portionen Reis und einigen Gläsern Wein verließ ich das Haus gegen 22 Uhr mit weiteren Wörtern Chinesisch und Eindrücken, die ich so schnell nicht vergessen werde.

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